1. Einleitung und Grundhaltung

Blu:prevent setzt sich dafür ein, Kinder und Jugendliche zu stärken, zu schützen und ihnen einen sicheren Zugang zu Präventionswissen zu ermöglichen. Unsere digitalen und analogen Angebote orientieren sich an einer pädagogischen Haltung, die junge Menschen ernst nimmt, ihnen auf Augenhöhe begegnet und ihre Selbstbestimmung respektiert. Wir möchten Räume schaffen, in denen Kinder und Jugendliche angstfrei Fragen stellen, sich ausprobieren und Unterstützung erhalten können.

Da junge Menschen in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung besonders schutzbedürftig sind, legen wir großen Wert auf transparente Strukturen, klare Regeln und eine konsequente Orientierung am Wohl der Jugendlichen. Diese Policy gilt für alle Mitarbeitenden, Honorarkräfte und Multiplizierenden, die im Rahmen von blu:prevent mit Minderjährigen in Kontakt stehen.

  1. Rechtliche Grundlagen

Unsere Arbeit orientiert sich an den zentralen gesetzlichen Vorgaben des Kinder- und Jugendschutzes.
Der Schutzauftrag nach § 8a SGB VIII verpflichtet uns, Hinweise auf eine mögliche Gefährdung ernst zu nehmen, fachlich zu prüfen, zu dokumentieren und, wenn erforderlich geeignete Stellen einzubeziehen. Das Bundeskinderschutzgesetz stärkt Qualitätsstandards und Kooperationen zwischen Fachstellen und bildet die Grundlage für verantwortungsvolles Handeln.

Im digitalen Bereich ist der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag maßgeblich, da er den Umgang mit entwicklungsbeeinträchtigenden und jugendgefährdenden Inhalten regelt. Der Umgang mit personenbezogenen Daten erfolgt ausschließlich nach den Grundprinzipien der DSGVO, insbesondere Datenminimierung, Zweckbindung und Schutz sensibler Informationen.
Die Grundrechte von Kindern und Jugendlichen nach Art. 2 und Art. 6 des Grundgesetzes bilden den normativen Rahmen unserer gesamten Arbeit.

  1. Verhaltenskodex für Mitarbeitende
Alle Personen, die im Namen von blu:prevent mit Minderjährigen arbeiten, verpflichten sich zu einem professionellen, achtsamen und schützenden Verhalten. Unsere Standards geben Mitarbeitenden Orientierung und dienen gleichzeitig der Sicherheit der Jugendlichen. Ein abweichendes Verhalten zu hier formulierten Standards wird nicht toleriert.

3.1 Kommunikation mit jungen Menschen

Die Kommunikation erfolgt ausschließlich über offizielle blu:prevent-Kanäle oder schulische Wege. Mitarbeitende nutzen private Social-Media-Profile nicht für Kontakte mit Jugendlichen. In Workshops vermeiden wir unnötige körperliche Nähe und achten darauf, dass Gespräche nie in abgeschlossenen Räumen ohne Einsehbarkeit stattfinden. Sensible Gespräche werden grundsätzlich so geführt, dass eine andere erwachsene Person in der Nähe oder zumindest informiert ist. Körperliche Berührungen finden nur statt, wenn sie von Jugendlichen ausdrücklich gewünscht und fachlich sinnvoll sind.

3.2 Foto- und Videoaufnahmen

Foto- und Videoaufnahmen von Minderjährigen sind nur mit schriftlicher Einwilligung der Erziehungsberechtigten sowie der Jugendlichen erlaubt, wenn sie vollständig bekleidet und sich in einem geschützten, sittlich angemessenem Kontext befinden. Spontane Aufnahmen oder informelle Handyfotos sind ausgeschlossen.

3.3 Sprache und Umgangsformen

Wir verwenden eine klare, altersgerechte und diskriminierungsfreie Sprache. Wir respektieren die Anredeform der Jugendlichen und erzwingen kein Duzen. Stigmatisierende Formulierungen, sexualisierte Kommentare oder diskriminierende Sprache werden nicht toleriert.
  1. Vielfalt, Gleichberechtigung und Diskriminierungsschutz
Blu:prevent verpflichtet sich zu einer diskriminierungsfreien, inklusiven und respektvollen Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Wir reagieren konsequent auf rassistische, sexistische oder LSBTIQ*-feindliche Aussagen sowie auf jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. In Workshops und digitalen Räumen schaffen wir Schutzräume, in denen Jugendliche unabhängig von Herkunft, Identität, Sprache oder Lebensrealität sicher partizipieren können.
  1. Digitale Angebote und Schutzmaßnahmen
Unsere digitalen Angebote richten sich an Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren. Inhalte die für ältere Kinder aufbereitet wurden, sind klar gekennzeichnet. Die Inhalte sind auf die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen abgestimmt. Alle Plattformen oder digitalen Angebote können umgehend verlassen werden, wenn sie bei einem Teilnehmenden Trigger oder Risiken auslösen sollten. In unseren digitalen Angeboten, die ohne Begleitung von Fachkräften genutzt werden, wie die blu:app oder die blu:base, gibt es sofortigen Zugang zu Hilfechats oder zu anderen Hilfsangeboten. Sämtliche Tools, einschließlich des Chatbots, sind anonym nutzbar und erheben nur die Daten, die technisch unbedingt notwendig sind.

5.1 Datenschutz und Datenspeicherung

Personenbezogene Daten werden nur gespeichert, wenn es technisch notwendig oder durch die Nutzenden bewusst ausgelöst wird. Sensible Inhalte wie Aussagen zu Suizid, Selbstverletzung oder Sucht werden grundsätzlich nicht personenbezogen gespeichert.
Zugriffe auf Daten sind klar beschränkt, verschlüsselt und protokolliert.

  1. Der Chatbot: Sicherheit, Grenzen und Notfallmechanismen

Als generatives System kann der Chatbot auch mit kritischen Themen konfrontiert werden. Deshalb verfügt er über ein Filtersystem, das Begriffsfelder wie „Suizid“, „Selbstverletzung“, „Missbrauch“ oder „akuter Konsum“ in einem Stufenmodell erkennt. In solchen Fällen gibt der Chatbot keine inhaltlichen Empfehlungen, sondern gliedert in Stufen ein, wie akut die Anfrage ist und reagiert mit klaren, sicheren und deeskalierenden Hinweisen.

Er macht transparent, dass er kein therapeutischer Dienst ist und verweist bei akuter Gefahr auf Notrufnummern und den Krisenchat. Inhalte werden nur pseudonymisiert gespeichert und ausschließlich für technische Zwecke verwendet.

  1. Präsenz - Workshops in Schulen und Einrichtungen

Unsere Workshops werden gemeinsam mit Schulen und Einrichtungen vorbereitet. Dabei klären wir im Vorfeld den Umgang mit Fotos, digitalen Tools, Barrierefreiheit und gruppenspezifischen Bedürfnissen. Die Workshops sind altersgerecht gestaltet und berücksichtigen unterschiedliche Lebensrealitäten und sprachliche Hintergründe der Jugendlichen. Die moderierende Lehrkraft oder Multiplikatoren verpflichten sich zu klaren Moderations- und Gesprächsregeln. Außerdem ist Partizipation der Jugendlichen zentral. Sie sollen aktiv mitgestalten können und sich kreativ und interaktiv ins Workshop-Geschehen einbringen.

Wenn Jugendliche persönliche Probleme oder Belastungen offenbaren, reagieren Mitarbeitende empathisch, respektvoll und professionell. Solche Informationen werden nie im großen Plenum besprochen, sondern vertraulich an die zuständige Lehrkraft oder Schulsozialarbeit weitergegeben. Blu:prevent versteht sich nicht als therapeutisches Angebot und verweist Jugendliche bei Bedarf an geeignete Unterstützungsstellen.

  1. Interventionsplan bei Hinweisen auf Gefährdung

Kritische Situationen werden in einem geschützten internen System dokumentiert. Die Dokumentation erfolgt sachlich, knapp und ohne Wertungen. Zugriff haben nur  Kinderschutzbeauftragte und fachliche Leitung.

Level 1 beschreibt Situationen, in denen Jugendliche Unwohlsein oder Überforderung zeigen. In solchen Fällen führen wir ein kurzes Gespräch, beobachten weiter und dokumentieren anonymisiert, ob zusätzliche Schritte notwendig sind.

Level 2 betrifft Hinweise auf Konsum, psychische Belastungen oder Konflikte. Mitarbeitende informieren die zuständige Lehrkraft, dokumentieren den Hinweis sachlich und empfehlen der Schule, geeignete Unterstützungsangebote einzubeziehen.

Level 3 umfasst akute Gefährdungslagen wie Suizidabsichten, Selbstverletzung, Gewalt oder Missbrauch. In diesen Fällen informieren wir sofort das Krisenteam der Schule oder geeignete externe Stellen und dokumentieren den Vorfall fachlich korrekt. Gleichzeitig stellen wir sicher, dass der oder die Jugendliche unmittelbar professionelle Unterstützung erhält.

  1. Dokumentation und Datensicherheit
Kritische Situationen werden in einem geschützten internen System dokumentiert. Die Dokumentation erfolgt sachlich, knapp und ohne Wertungen. Zugriff haben nur  Kinderschutzbeauftragte und fachliche Leitung.
10. Schulungen
Alle Mitarbeitenden sind über die Inhalte der Policy informiert und handeln danach. Sie werden regelmäßig über Neuerungen und Aktualisierungen informiert. Neue Mitarbeitende erhalten eine umfassende Einführung in diese Policy und in alle relevanten Verhaltensstandards.
11. Kinderschutzchutzbeauftragte Person
blu:prevent benennt eine Kinderschutzfachkraft gemäß § 8a & 8b SGB VIII. Sie berät Mitarbeitende bei Unsicherheiten, begleitet die Einschätzung von Gefährdungssituationen, prüft Dokumentationen, koordiniert externe Kooperationen und bewertet die Policy jährlich. Eine interne Vertretungsregel ist festgelegt. Auf Anfrage ist ein Gespräch mit der Kinderschutz - Fachkraft möglich.
12. Transparenz und Weiterentwicklung

Die Policy wird jährlich überprüft und fortlaufend angepasst, wenn neue rechtliche, fachliche oder technische Entwicklungen dies erfordern. Sie ist öffentlich einsehbar und bildet die Grundlage für alle Angebote von blu:prevent. Wir kommunizieren offen und klar, wie wir mit Meldungen umgehen und wie Jugendliche, Eltern, Schulen oder Fachstellen uns sicher erreichen können.

blu:prevent

Rebekka Dickhardt

Fachliche Leitung und Kinderschutz-Fachkraft

02.12.2025