AD(H)S im Kindesalter: erkennen, verstehen, begleiten

Wenn Hausaufgaben jeden Nachmittag zum Kraftakt werden, das Warten kaum gelingt oder ein Kind immer wieder hört: „Du könntest doch, wenn du nur wolltest“, entstehen schnell Frust und Konflikte. Doch hinter solchen Situationen steckt nicht automatisch fehlende Motivation. Genau darum ging es beim digitalen Elternabend von blu:prevent am 23. September 2026 mit Kinderärztin Dr. med. Maria Bea Merscher. ADHS bedeutet Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung und ist keine Frage von Faulheit, mangelnder Willenskraft oder schlechter Erziehung. Betroffenen Kindern fällt es schwerer, ihre Aufmerksamkeit, ihre Impulse und ihr Verhalten zuverlässig zu steuern. Rund vier bis fünf von 100 Kindern und Jugendlichen sind betroffen. Umso wichtiger ist es, Verhalten nicht vorschnell zu bewerten, sondern genauer hinzusehen.

ADHS zeigt sich dabei längst nicht bei allen Kindern gleich

Zu den drei Kernsymptomen gehören Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Manche Kinder fallen durch starke Unruhe, häufiges Dazwischenreden oder impulsives Verhalten schnell auf. Andere bleiben lange unentdeckt. Besonders bei Mädchen kann ADHS weniger offensichtlich in Erscheinung treten. Sie wirken mitunter verträumt, still oder angepasst und versuchen, Schwierigkeiten mit großer Anstrengung auszugleichen. Gerade deshalb lohnt sich ein genauer Blick. Was von außen wie Desinteresse, Trotz oder mangelnder Einsatz erscheint, kann ganz andere Ursachen haben.

Gleichzeitig bedeutet nicht jede Phase von Unruhe oder Unkonzentriertheit, dass ein Kind ADHS hat

Entscheidend ist unter anderem, ob die Schwierigkeiten über längere Zeit bestehen, in verschiedenen Lebensbereichen auftreten und den Alltag deutlich beeinträchtigen. Eine fundierte Diagnose berücksichtigt deshalb unterschiedliche Perspektiven. Dazu gehören Gespräche mit Eltern und Kind, Rückmeldungen aus Kita oder Schule, Verhaltensbeobachtungen sowie der Ausschluss anderer möglicher Ursachen. Eine seriöse Diagnose braucht Zeit und gehört in erfahrene fachliche Hände.

Struktur spielt eine wichtige Rolle

Wird ADHS festgestellt, gibt es nicht die eine Maßnahme, die für jedes Kind gleichermaßen funktioniert. Vielmehr greifen unterschiedliche Formen der Unterstützung ineinander. Dazu können die Vermittlung von Wissen über ADHS, Verhaltenstherapie, Elterntraining und bei entsprechender Indikation auch eine medikamentöse Behandlung gehören. Im Alltag spielt zudem Struktur eine wichtige Rolle. Klare Routinen, überschaubare Aufgaben, sichtbare Pläne und eindeutige Absprachen können Kindern helfen, Anforderungen besser zu bewältigen. Elterntraining bedeutet dabei nicht, Erziehung zu bewerten. Es vermittelt konkrete Strategien, die Familien dabei unterstützen können, Konflikte zu reduzieren und positive Entwicklungen bewusster wahrzunehmen.

Was Kindern mit ADHS im Alltag hilft

Eine zentrale Botschaft des Elternabends war deshalb der Perspektivwechsel. Statt immer wieder zu fragen: „Warum schaffst du das nicht?“, kann die Frage hilfreicher sein: „Was brauchst du, damit es klappt?“ Feste Abläufe, kurze Arbeitsphasen, ausreichend Bewegung, ein möglichst reizarmes Arbeitsumfeld und eine gute Zusammenarbeit mit der Schule können den Alltag erleichtern. Ebenso wichtig ist es, Kinder nicht auf ihre Schwierigkeiten zu reduzieren. Begeisterungsfähigkeit, Kreativität, Energie und die Fähigkeit, sich intensiv mit interessanten Themen zu beschäftigen, können wertvolle Ressourcen sein. ADHS bringt Herausforderungen mit sich. Wer versteht, was hinter dem Verhalten steckt, kann Kinder gezielter begleiten und Bedingungen schaffen, unter denen Entwicklung besser gelingen kann.

Wer Interesse an weiteren spannenden Themen und Experten hat, kann sich jederzeit auf unserer Webseite über die nächsten Elternabende informieren und jetzt schon kostenlos anmelden.

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geschrieben von

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Cindy Göbel